Demut – Unsexy, aber kraftvoll!

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Wie man mit dem Thema Demut umgeht, hängt davon ab, wie tief und lange man sein Leben und alles, was dazu gehört, reflektiert. Für mich ist ein Leben ohne Demut gar nicht mehr denkbar, denn Demut ist für mich die tiefe Verneigung vor dem Leben, um ihm zu zeigen: „Ja, Du weißt es besser. Du hast Recht!“. Das ist an sich schon nicht besonders sexy. Warum? Das liegt zum einen daran, dass wir uns heutzutage schon nicht mehr so gerne verneigen. Es gibt äußerst wenig, wovor wir uns gerne verneigen – viele höchstens vor ihren eigenen Gedanken, Plänen oder Leistungen. Also meistens vor Dingen, die sie selbst zustande bringen. Das liegt daran, dass wir alle gelernt haben, mit dem Verstand an das Leben zu gehen. Und wir haben frühzeitig damit begonnen, das Fühlen und das wirkliche Wahrnehmen abzuspalten. Damit meine ich die vielen Situationen, die wir alle im Leben erlebt haben, wo unsere inneren Annahmen wie „Du bist nicht genug.“, „Das Leben ist nicht sicher.“ oder „Du bist nicht wertvoll.“ bestätigt wurden. Das sind die großen Grundängste – vor allem das „Nicht genug sein.“. Deshalb sind wir kollektiv auf der Reise zu dem „auf jeden Fall genug sein“.

 

You can do it – ich schaffe alles oder etwa doch nicht?

Dieses neue motivierte „You can do it.“ – „Ja, wir kriegen alles hin.“ ist für mich manchmal ein Stückweit diese moderne Dissoziation vor den Dingen, wie sie wirklich sind und somit, wie das Leben wirklich ist. Bei ganz genauer Betrachtung dürfen wir erkennen, dass wir nichts kontrollieren können oder unter unserer Kontrolle haben. Das ist etwas, was, wenn wir es uns bewusst machen, wieder in die gleiche Ohnmacht katapultiert, die wir vielleicht als kleine Kinder hatten, wenn es darum ging, dass wir die Umarmung, die wir gebraucht haben, nicht bekommen haben oder – noch viel früher – in den Phasen des Schreiens keiner da war, der uns hochgenommen und beruhigt hat.

 

Die Urprogramme in uns

Auch in unserem Stammhirn ist gespeichert, dass wir gerettet werden müssen, wenn Panik ausbricht und wir schreien, weil ansonsten der böse Wolf oder der Dinosaurier kommt. Das alles sind Urprogramme, die tief in uns verwurzelt sind. Und wenn dann keiner kommt, der uns rettet, dann gerät in uns etwas in Panik. Es nimmt das Nervensystem mit und es entsteht dadurch ein innerer Beschluss, dass man diese Situation in Zukunft verhindern und nicht mehr fühlen möchte. Und dann kommt irgendwann die Idee, die Überzeugung, dass man alles schafft. Unabhängig davon, ob man die Unterstützung und den Zuspruch von Anderen erhält oder erhalten hat. Man fasst in sich den Mut und geht dann manchmal mit der Einstellung durch das Leben, dass man alles hinbekommt, auch, wenn niemals genau das fließt, was man wirklich zutiefst braucht. Mit „wirklich zutiefst“ meine ich Dinge wie wahre, echte Liebe, Verbundenheit, vor allem innerer Frieden, weil äußerer Frieden noch nicht in Sicht ist. Es sei denn, wir dissoziieren die Dinge, also schließen sie komplett aus, wo Unfrieden im Außen ist. Diese Vorgehensweise gelingt jedoch nicht, weil man da immer auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird.

 

Demut – sich vor dem Leben verneigen

Demut bedeutet für mich also, sich vor dem Leben zu verneigen. Ich möchte meine Denkweise natürlich niemandem aufzwängen. Ich habe mir die Frage, was Demut eigentlich ist und für mich bedeutet, lediglich selbst gestellt und versucht, sie zu beantworten. Denn ich bin davon überzeugt, dass es sich lohnt, das Thema ein wenig zu reflektieren. Wir haben über nichts im Leben wirklich Kontrolle. Und wenn es etwas gibt, was wir nicht unter Kontrolle haben, heißt das nicht, dass wir ohnmächtig sind. Denn das wäre einfach eine Bewertung dieses Umstandes. Wir können auch mit den Dingen, die wir nicht unter Kontrolle haben, in Liebe fließen.

Wenn ich mir also einen Fluss und eine Rafting-Tour vorstelle, dann habe ich diesen Fluss auch niemals richtig unter Kontrolle. Aber ich kann mit dem richtigen Rüstzeug, also auch mit dem Boot (das Boot entspricht im Leben vielleicht der Geisteshaltung), den ganzen Fluss entlang reisen. Ich sollte mir jedoch niemals einbilden, dass ich alles – das Leben – voll und ganz unter Kontrolle habe.

 

Das Leben macht, was es will

Die Erfahrung, dass das Leben das macht, was es will, machen wir alle irgendwann. Ganz egal, wie wir versuchen, uns davor zu schützen. Diese Erfahrung macht nur der, der Demut lernt, trainiert und zur Einsicht eventuell in gewisser Weise gezwungen wird. Mit der demütigen Verneigung kommt Liebe und Erlösung in das Leben. Wenn man dagegen ankämpft, wird alles nur schlimmer. Vielleicht möchte uns das Leben auch mit all seinen Dingen, die es parat hat, zeigen, dass es genau um diese liebevolle, demütige Annahme dessen, was ist, geht und nicht um die hochmütige Kreation aller Details meines Lebens oder den Kampf dagegen.

 

Keine Kontrolle – Was tun?

Wir haben keine Kontrolle über die Dinge, die sind. Wir haben aber die Möglichkeit, damit umzugehen, also darauf antworten, was das Leben uns sozusagen „vor die Füße wirft“. Damit meine ich die Geisteshaltung, denn es gibt etwas, das wir sehr wohl mit einem sehr beharrlichen, kontinuierlichen Training kontrollieren können: Unseren Geist. Das ist mit Sicherheit auch die schwierigste Aufgabe, die wir Menschen bewältigen können. Viel leichter ist es doch, abzuspalten, sich selbst zu belügen, nicht wahrhaben zu wollen, sich etwas vorzumachen oder unbewusster zu bleiben. Genau das ist immer so eine Art „sich selbst eine Möhre vor die Nase zu halten“. Das ist alles viel einfacher, um sich von den Dingen und wie sie wirklich sind, abzulenken als tatsächlich zu beginnen, seinen Geist zu kontrollieren.

 

Echte Wahrnehmung

Um den Geist kontrollieren zu können, muss man die Dinge zunächst so wahrnehmen wie sie sind. Es ist also das, was wir uns als Kinder fast alle abgewöhnt haben, weil uns diese Wahrnehmung als Kind in eine Ohnmacht katapultiert hat. Denn zu jenen Zeiten hatten wir noch keinerlei Ressourcen, um damit gut umzugehen. Da herrschte reine Bedürftigkeit vor, was nicht bedeutet, dass es noch viele große Kinder in Erwachsenen gibt, die von reiner Bedürftigkeit getrieben sind. Das ist sicher so. Als Erwachsener hat man jedoch die Möglichkeit, andere Ressourcen zu trainieren, kennenzulernen, zu erobern usw. Das ist auch ein großes Stück der Arbeit, die wir in unserer Experience machen. Das Kind hat diese Möglichkeit nicht, das heißt, das Kind wird direkt in die Ohnmacht katapultiert und muss eine Lösung finden. Und diese Lösung kann oftmals nur durch ein „Nicht mehr wahrhaben wollen“, durch ein Abspalten oder durch die Flucht in den Verstand, den Intellekt, und damit gleichzeitig in den Übermut, erfolgen. Dieser Übermut, Hochmut mündet oftmals direkt in die Arroganz und Überheblichkeit dem Leben gegenüber. Das kenne ich persönlich extrem gut aus meinem eigenen Leben. Denn ich habe über viele Jahre gedacht, dass ich der Schöpfer meines Lebens bin. Das ist natürlich heikel, das so auszusprechen, aber es war so. Und das war und ist ein Irrtum. Ich bin nicht der Schöpfer meines Lebens und Du auch nicht derjenige Deines Lebens. Es gibt kein Ich und auch kein Du, deswegen kann auch keiner von uns der Schöpfer sein. Es schöpft und ich gehöre zu diesem Es. Es ist also das Kollektive, das schöpft. Innerhalb des Kollektiven gibt es aber etwas wie ein individuelles Bewusstsein, das glaubt, es wäre individuell.

 

Ein individuelles Bewusstsein erzeugt Leid

In der Phase, in der das individuelle Bewusstsein glaubt, es sei individuell, ist auch Leid da. Und zwar aus dem Grund, weil das Ich, das in uns steckt, das Einzige ist, was leiden kann. In dem Moment, in dem das Ich verschwindet, verschwindet nämlich auch das Leid. Was hat das nun mit der Demut zu tun? Demut ist für mich die Haltung, Stück für Stück mehr zu verstehen, dass da etwas Großes – ein großes Bewusstsein – ist, zu dem ich gehöre und das die Dinge formt, schöpft und kreiert, die ich auch mitkreiert habe. Ich bin immer ein „Co-Creator“. Und davor verneige ich mich, weil das, was da geschieht, immer ein universelles Wachstum eines Bewusstseins ist. Und dieses eine Bewusstsein weiß es immer besser. Mein kleiner Verstand, der glaubt, es gäbe ein Ich oder ein „Ich kann das Leben bewältigen.“ hat nicht annähernd den Überblick über die Dinge, wie sie sind.

Wie Sokrates schon einmal sagte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“. Er wollte eigentlich damit sagen, dass ich weiß, dass ich nichts weiß. Dieses Ich existiert also so nicht und weiß nichts von dem großen Plan, der Entwicklung, warum die Dinge so sind wie sie sind.

 

Demut ist die Anerkennung dessen, was ist

Wir sind in bestimmten Familienverhältnissen geboren und aufgewachsen. Da existieren womöglich Vorwürfe gegenüber Eltern, Ahnen. Da sind vielleicht Dinge passiert, die wir nicht gutheißen. Es sind dann Verhaltensmuster da, die uns wehtun und von denen wir uns lösen möchten. Genau darauf reagieren wir und diese Reaktion ist oftmals kindlicher Natur: Bockigkeit, Trotzigkeit, Abspalten, Wut usw. Was wir nicht wissen, ist, dass dieser Teil in uns auf einer höheren Ebene auch mit Mutter, Vater und Ahnen zu tun hat. Durch Beziehungen wächst eine Energie und sogenannte Energiefelder, die sich gegenseitig bedienen. Das alles ist ein so großes Schöpferwerk und ich habe persönlich für mich gelernt: Wenn Dinge geschehen, die mich überwältigen, erstaunen, schockieren, mir wehtun o.Ä., dann verneige ich mich fast immer sehr schnell davor, weil ich nicht weiß, was mal Ko-Kreation ist. Ich weiß nur eins: Ich habe die Quelle dafür in mir. Es ist so, wie ein Geschenk auszupacken. Manchmal sind Geschenke dabei, die uns nicht gefallen und dennoch ist es ein Geschenk. Und genau die Akzeptanz dessen ist die demütige Annahme.

Die Verneigung bedeutet für mich, die Größe des Ganzen, wozu ich auch gehöre, anzuerkennen und damit auch, die Größe in mir zu sehen und anzuerkennen. Vollkommen gleichgültig, was im Leben passiert – Die einzige Kontrolle, die wir haben, ist die Antwort darauf: „Wie gehen wir mit dem um?“. Und mit Kontrolle über den Geist ist das beharrliche Trainieren dessen gemeint, zu verstehen, dass Du nicht Deine Gedanken bist. Alles hat positive und negative Seiten, jeder Mensch, jeder Umstand, jede Situation. So ist das Leben. Und dies anzuerkennen, ist wahre Größe und ermöglicht Dir den inneren Frieden.

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Foto: Fotolia 75834194 – Körper, Geist und Seele © Floydine

2016-12-07T05:46:35+00:00

5 Comments

  1. Burkhard November 4, 2016 at 11:48 pm - Reply

    Hallo Christian schönen guten Tag,

    Demut, für mich ein Wort das ich mit Erfahrungen verknüpfe, oft tief
    im unbewussten. Mut Demut Motiviert Demotiviert. Der Vorsatz „De“
    negativiert ein Wort und es bekommt eine andere Schwingung.

    Deshalb ziehe ich Worte wie Anerkennung und Wertschätzung vor.
    Für jeden Moment, jede Situation und jedes Wesen das ich sehe und
    erfahre. Alles ist ein Geschenk und mein Gefühl zeigt mir ob ich dabei
    bei mir bin und die Informationen richtig deute.

    Weshalb ich schreibe steht in deinem letzten Absatz. Die Kontrolle über
    den Geist, wo bin ich da. In Gedanken? Gedanken beschäftigen sich mit
    Gedanken? Oder habe ich den Geist als einen kleinen Narren erkannt und
    richte meine Aufmerksamkeit auf den Atem, den Körper und den Raum
    in mir und um mich herum.

    Für mich nimmt unser Selbst nur wahr, macht eine Erfahrung und bringt
    sich mit Mitgefühl ein wenn ein Impuls dazu kommt. Positiv oder Negativ,
    gut oder schlecht kennt es nicht, das ist Verstand der urteilt damit in der
    „Zukunft“ etwas anders wird. Oder der sich von „anderen“ angegriffen
    fühlt und im Widerstand ist.

    Ein Raum der Leere und ein Gefühl eines stillen inneren Friedens mit dem
    Bewusstsein eines Mitschöpfers. Darin versuche ich einzutauchen und das
    als dauernden Bewusstseinzustand zu halten ist meine derzeitige Übung.

    Aber vielleicht ist es ja auch nur mein ego das die Zeilen so interpretiert
    um dieses hier zu schreiben. Ich habe schon einiges von Dir gesehen und
    gelesen und es hat mich bereichert.

    Vielen Danke und eine schöne Zeit wünsche ich Dir.

    Burkhard

    • Gerda Gertrud Lanser November 23, 2016 at 11:08 pm - Reply

      Ich habe selbst mal im Lexikon und Internet gesucht und mir ist meine Demut und die Demütigung sehr logisch und verständlich geworden:
      Demut ist eine geprägte Geisteshaltung, bei der sich der Mensch, in der Erkenntnis der eigenen Unvollkommenheit, dem göttlichen Willen unterwirft, oder die Eigenschaft, sich und seine Interessen zurück zu nehmen, meistens gegenüber einer höheren Macht!

  2. Christian Rieken November 8, 2016 at 10:34 am - Reply

    Herzlichen Dank für Deine Zeilen 😁 👍 🙏

  3. Gerda Gertrud Lanser November 23, 2016 at 10:53 pm - Reply

    Lieber Christian, ich kann alles so total gut bestätigen, nur fand ich bis jetzt noch keine Worte, oder auch keine Erklärung dazu, denn ich habe die Schönsten Jahre meines Lebens, mich demütigen lassen ohne daß es mir weh getan hat, wegen Mangel an Selbstwertgefühl, bis es dann zu spät war und für mich, durch eine Wandlung, mein Geist mich, mit viel Mühe und Wissensdurst, zu einem Neuen Leben aufgerufen hat.Jetzt habe ich eine andere Demut, die es mir aber so leicht und einfach im Umgang mit anderen Menschen macht, weil ich vorher selbst alles so umgekehrt oder von außen begrenzt erlebt habe. Dankeschön!

    • Christian Rieken November 24, 2016 at 9:29 am - Reply

      Herzlichen Dank für Deine Zeilen 😁 👍 🙏

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