Negative Gefühle verdrängen oder kontrollieren?

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 Übernimm Verantwortung – nicht Schuld!

„Was Du verdrängst, das kannst Du nicht kontrollieren.“

Was das mit uns zu tun hat? Meine Mindmap zu dem Thema hat mir gezeigt, dass es sich dabei um einen circle – einen Kreislauf – handelt. Der erste Schritt wäre dabei nun, zu gucken, was wir denn gerne verdrängen.

Was wir gerne verdrängen

In erster Linie sind es Gefühle. Also welche Gefühle will man gerne so schnell wie möglich verdrängen, vor anderen und auch vor sich selbst verbergen? Primär sind es die Gefühle Angst, Wut, Scham, Schuld, Trauer und Ohnmacht. Warum ist das so? Andere Gefühle zeigen wir gerne – Doch warum diese nicht? Warum wollen wir sie nicht haben? Was fällt Dir dazu ein? Warum ist es bei Dir persönlich so? Die Antworten können unterschiedlich ausfallen und doch glaube ich, dass wir da nicht ganz so weit auseinanderliegen. Aus meinem Inneren käme die Antwort: Angst vor Ablehnung, das Gefühl, nicht dazuzugehören. Die Angst vor Ablehnung ist sehr nah, wenn wir nicht dem entsprechen, wie uns die Welt bzw. unser näheres Umfeld haben möchte. Es ist für uns wichtig, dass wir für unser Umfeld in irgendeiner Form passend sind. Das Anderssein hat zur Folge, dass wir befürchten, nicht dazuzugehören. Wir alle streben nach Verbundenheit, Liebe und Zuneigung. Die „negativen“ Gefühle sind nicht willkommen. Doch warum?

Warum verdrängen wir?

Es besteht die Angst vor Leid und Schmerz. Mit den Gefühlen Angst, Wut, Trauer, Scham, Schuld und Ohnmacht verbinden wir ein unangenehmes Gefühl, seelischen inneren Schmerz. Wir alle haben gelernt, diesen Schmerz hinzunehmen oder zu verdrängen. Es ist ein Bestreben von uns, Leid zu vermeiden und Freude zu verbreiten. Der Aspekt „Leid zu vermeiden“ ist wesentlich stärker ausgeprägt als der, Freude zu bereiten. Menschen, die zum Beispiel gerne ordentlich wären, deren Schreibtisch zu Hause aber sehr chaotisch ist, neigen dazu, den Schreibtisch erst dann aufzuräumen, wenn das Leid so groß ist, dass sie es gar nicht mehr aushalten. Dieses Beispiel kennen wir aus vielen anderen Bereichen, wo wir uns schwertun, unsere Vorsätze und Vorlieben in die Tat umzusetzen. Wir werden meist erst aktiv, wenn das Leid sehr groß ist und unerträglich wird. Wir machen es also, um Leid zu vermeiden. Deswegen wird auch die ganze Gesellschaft durch Angst geleitet. Die meisten Menschen verändern erst etwas, wenn die Notwendigkeit besteht, die Not also zu einer Wende führt. Dies kann sich beispielsweise in der Not äußern, dass man von dem Partner verlassen werden könnte, man vielleicht den Job verlieren würde oder dass beispielsweise das ernährungsbedingte Übergewicht zu (ernsthaften) Gesundheitsproblemen führt. Es muss also immer eine starke Notwendigkeit existieren, damit wir aufwachen.

Überwältigung

Wir haben oft Angst, was passiert, wenn wir unsere Wut rauslassen. Manche Menschen haben schon einen guten Zugang zu sich und wissen, dass sie ihre Wut schon lange verdrängen. Angst davor, Wut zu zeigen, weil sie das Gefühl haben, da bliebe dann kein Gras mehr übrig.

„Was Du verdrängst, das kannst Du nicht kontrollieren.“ Also wird das Gefühl eingesperrt.

Eine Story aus meinem Leben

Ich beschreibe Angst- und Panikstörungen wie einen Staudamm, der dann unkontrolliert bricht. Ich habe früher alle Ängste erfolgreich verdrängt. Vor meiner ersten Panikattacke hatte ich vor nichts Angst. Ich hatte damals eine ganz liebe Partnerin, die nachts immer sehr schlimme Albträume hatte. Sie lag starr, wie gelähmt, im Bett. Ich habe ihr stets Mut zugesprochen, ihr gesagt, dass ich sie beschütze und dass ihr kein Dämon etwas tun kann, solange ich bei ihr bin. Ich hatte überhaupt keine Angst. Ich habe sogar beim Autofahren in den Bergen geschlafen. Ich habe Drogen genommen etc. Erst viel später habe ich herausgefunden bzw. realisiert, dass ich in meiner Kindheit sogar täglich pure Angst kennengelernt habe – manchmal auch auf lebensbedrohliche Weise. Ich habe alles verdrängt. Es entstand ein innerer Stausee, der nur ein paar Auslöser brauchte, die irgendwann auch da waren. Und plötzlich brach er ein. Die Angst floss unkontrolliert ab. Mein inneres Kind hatte Angst, diese negativen Gefühle noch mal zu erfahren. Die tiefe Verdrängung verhindert es, dass wir unsere Angst kontrollieren können. Und wenn uns das bewusst wird, kommt noch ein Grund für die Verdrängung hinzu: Die Angst vor der Angst.

Ich hatte zum Beispiel Angst davor, Angst im Flugzeug zu bekommen, die keine Angst vor dem Fliegen an sich ist. Angst vor der Angst hat nichts mit den Umständen als solche zu tun. Deshalb gibt es im Außen im Grunde auch keinen sicheren Ort mehr. Für mich war es ein Licht, ein großes Geschenk, mich auf die Suche nach etwas Sicherem in mir selbst zu machen.

Warum können wir das nicht kontrollieren?

Weil ich dieses Gefühl, den inneren „Feind“, nicht kenne. Ich kann niemals gewinnen, wenn ich meinen Gegenspieler, meinen Widerstand, nicht kenne. Ich weiß dann nicht, wie groß und massiv er ist und wie er sich verhält.

Die Transformation beginnt, wenn wir unseren inneren Feind kennenlernen, ihn von allen Seiten beleuchten und „befühlen“, um einschätzen zu können, ob er explosiv ist oder gehändelt werden kann. Wenn wir das nicht wissen, kommt unser Sicherheitsgefühl dazu und sorgt dafür, dass wir den Feind weiter verdrängen. Die Aufforderung für den nächsten Step ist: Die Desensibilisierung. Das heißt, man muss den Stoff, gegen den man „allergisch“ ist, Stück für Stück zu sich nehmen, um dagegen immun zu werden. Im Klartext: Nähere Dich Deinem Feind Stück für Stück, taste Dich heran und sei offen für ihn. So kannst Du irgendwann die Kontrolle gewinnen. Denn Kontrolle gibt es nur, wenn innere Sicherheit besteht. Deshalb müssen wir unser inneres Kind beachten, es an die Hand nehmen und uns den Gefühlen stellen. Der nächste Step ist also, „Ja“ zu allen Gefühlen zu sagen.

Amokläufe sind ein gutes Beispiel für unkontrollierte, explosionsartige Gefühlsausbrüche, die wir verhindern können. Auch private „kleine Amokläufe“ kennt sicher jeder von uns: Wenn Gefühle plötzlich gewaltig ausbrechen, man selbst überrascht ist und sich nicht erklären kann, wieso man so traurig oder wütend war. Deshalb sage „Ja“ zu Dir selbst und zu Deinen Gefühlen. Das ist echte Selbstannahme.

Liebe

Liebe zeichnet sich durch Bedingungs- und Erwartungslosigkeit aus. Man braucht sich nicht schämen oder Angst zu haben. Stelle keine Bedingungen mehr an Dich. Denn Verdrängung kommt, wenn Bedingungen da sind. Deshalb sage „Ja“ – Liebe ist ein „Ja“. Was Du zulässt, kannst Du kontrollieren, weil Du das Ausmaß, die Quantität und Qualität kennst!

Alles Gute für Dich!

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Foto: Fotolia Worried teenager woman on the beach in winter© Antonioguillem

2016-12-07T05:46:37+00:00

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