Schönheitswahn Teil 1 

Im Rahmen meines Herzensprojektes Lebendig Frau SEIN ist mir eine sehr spannende Frage gestellt worden. In der Frage ging es darum, wie meine Haltung zu dem aktuellen Schönheits-, Schlankheits- und Sportwahn einschließlich exzessiver Ernährungsweisen sei, der unter Frauen weit verbreitet ist. Außerdem wurde danach gefragt, wie ich Umgang damit finde bzw. gefunden habe, um davon nicht verrückt oder übermäßig belastet zu werden.

Da dieses Thema jede Frau betrifft, habe ich entschieden, diese Frage nicht im geschlossenen Rahmen innerhalb von Lebendig Frau SEIN zu beantworten, sondern die Antwort für jeden, der sich damit auseinandersetzen möchte, zugänglich zu machen. Als Erstes an dieser Stelle möchte ich die Frage direkt an Dich weitergeben: 

Wie stehst Du zu diesem Thema? 

Augen zu und aushalten? 

Quälst, beschimpfst oder ignorierst Du Dich diesbezüglich? 

Versuchst Du alles daran zu setzen, dem Stand halten bzw. mithalten zu können? 

Vergleichst Du Dich permanent mit anderen oder sogar mit Vorbildern?

Der Druck bestimmten Bildern entsprechen zu müssen

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Oft ist uns gar nicht bewusst, wie wir in diesem Zusammenhang mit uns selbst umgehen. Der Druck, diesen Bildern, die von außen kommen, zu entsprechen, ist so groß, dass wir gar nicht infrage stellen, ob uns das, was wir da praktizieren, gut tut und langfristig wirklich erfüllend und gesund ist. Wir sind so vernarrt in ein äußeres Bild – und ich betone das: es ist wirklich nur ein Bild – dass wir uns, unsere Grenzen und unser Wohlbefinden aufs Spiel setzen, nur „um dort hin“ zu kommen. Dieses äußere Bild und die Wahnvorstellung, „wenn wir genau so sind, dann fühlen wir uns endlich wohl – dann ist alles gut“ nehmen uns gefangen und entwickeln eine ungeheure Kraft, die uns im schlimmsten Fall zerstören kann. Wir vergessen, dass es sich schlicht und einfach um ein Bild im Außen handelt, das mit unseren wahren Werten, mit unserer Individualität, mit unserem Verbundensein mit uns selbst und mit unserem wahrem Wohlbefinden nichts zu tun hat. Wir geben diesen Bildern die Macht, uns zu lenken und zu leiten, anstatt Wege zu suchen, die uns wahres inneres Wohlbefinden, Sicherheit und Verbundenheit geben können. 

Was glaubst Du wird passieren, wenn Du endlich dem Bild entsprichst, dem Du aktuell entsprechen möchtest? 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du anschließend ein neues Bild finden wirst, dem Du entsprechen möchtest. Und dann wieder eins, und noch eins, und noch eins …

Ich stelle Dir eine weitere Frage. Nimm Dir wirklich Zeit, diese Frage mit Deinem Körper zu fühlen: 

Welches Gefühl möchtest Du denn eigentlich in Dir spüren, wonach sehnst Du Dich zutiefst, wenn es darum geht, ein bestimmtes äußeres Bild abzugeben? 

Was hinter diesem Wahn steht, ist meistens, dass wir dazugehören wollen und glauben, nur dann richtig und wertvoll zu sein, wenn wir bestimmten Vorgaben entsprechen: wir sehnen uns danach, geliebt zu werden und glauben das auf diesem Wege erreichen zu können. 

Es ist wirklich wichtig, dass wir uns die Beweggründe bewusst machen, warum wir etwas Bestimmtes erreichen oder haben wollen. Denn oft sind uns die tiefen Wünsche dahinter gar nicht bewusst und wir tun dadurch nicht selten Dinge, die uns alles andere als ermächtigen, sondern die uns eher wie Fähnchen im Wind herumflattern lassen. Innerlich fühlen wir uns dabei oft völlig leer.

Spüre, was für Dich wirklich stimmig ist

Es hat durch die ganze Menschheitsgeschichte hinweg immer wieder bestimmte Trends bezogen auf Mode, Figuren und Körpermaße gegeben. Sich von diesen Trends frei zu machen und so eine wirklich freie und eigene Meinung entwickeln zu können, das ist gar nicht so leicht: Diese Bilder und Vorgaben, mit denen wir aufgewachsen sind, haben sich tief in unser Selbstverständnis bzw. unseren Verstand eingegraben.

Deswegen ist es essentiell, bewusst die Entscheidung zu treffen, diese kollektiven Bilder, die vorgeben, wie bestimmte Sachen zu sein haben, infrage zu stellen. Anstatt äußere Dinge eins zu eins zu übernehmen, überprüfe sie vorher für Dich auf Stimmigkeit mit Deinem Gespür aus dem Körper, anstatt mit der Stimme im Kopf. So lernst Du immer mehr Du selbst zu sein anstatt alles von einem äußeren Diktat abhängig zu machen.

Sich mit dem zu messen, was allgemein als „schön“ bezeichnet wird, ist in gewissem Maße zwar normal. Je mehr wir jedoch unsere Identität, unser Sosein und unser Wohlbefinden davon abhängig machen, wie sehr wir in dieses Schema passen, das allgemein von der Gesellschaft oder bestimmten Gruppierungen als schön oder richtig bezeichnet wird, desto mehr entfernen wir uns von uns selbst: Wir wollen anderen Maßstäben entsprechen, verbiegen uns und übergehen eigene wichtige Grenzen und damit die innere Instanz, die weiß, was gut für uns ist: Wir verlieren immer mehr unsere Natürlichkeit, unsere natürlichen Lebensrhythmen und unsere Körper- und Selbstliebe. 

Zwei Schlüsselaspekte für Dein Wohlbefinden

Die Möglichkeiten, die es heute gibt, sich via Internet minütlich mit irgendwelchen Bildern zu vergleichen, die gab es zu meiner Teenagerzeit noch nicht. Aber auch ich kenne – damals waren es Zeitschriften und das Fernsehen – die harte Kritik dem eigenen Körper gegenüber. Ich war mit Anfang 20 der festen Überzeugung, dass meine Brüste zu klein sind. Und jedes Mal, wenn ich an meinem Körper heruntersah, sah ich nur den Mangel, den Makel und das, was vermeintlich nicht okay war. Das ist kein angenehmer Blick, das ist kein Blick, der guttut oder der gute Gefühle verursacht und das ist kein Blick von Glück über einen gesunden und unversehrten Körper. Und Dein Körper spürt, wie Du über ihn denkst! Dieser harte Blick macht etwas mit uns – uns kann es damit gar nicht gutgehen.

So schrieb ich also zu dieser Zeit einen ganzen Haufen Schönheitskliniken an, um mich darüber zu informieren, wie eine Brustvergrößerung funktioniert, was das kostet und was für Risiken es gibt. Ich war also bestens darüber informiert, wie so etwas funktioniert. Ich hatte die Fantasie, dass mein Leben in irgendeiner Form besser wäre, wenn ich größere Brüste hätte. Gott sei Dank haben mich die Risiken immer davon abgehalten. Stattdessen habe ich herausgefunden – und das hat mich in Frieden und in ein tiefes Einverstandensein mit mir selbst gebracht -, dass es zwei Schlüsselaspekte gibt, die bei diesem Thema absolut wesentlich sind.

Der eine ist, Dir die richtigen Fragen zu stellen. Der andere ist, eine wirkliche Beziehung zu Deinem Körper aufzubauen – oder anders gesagt: Deinen Körper wirklich bewusst zu bewohnen.

Aber wie stellst Du die richtigen Fragen? 

Und wie bewohnst Du den eigenen Körper bewusst? 

Vorneweg möchte ich noch in den Raum stellen, dass ich zu all den Themen, die mit Schönheit, Schlanksein, Sport, Ernährung, Kosmetik, Operationen und was sonst noch alles dazu gehört, die Meinung vertrete, dass jeder tun und lassen sollte, was er möchte. Egal, ob die Mehrheit das für angemessen oder verrückt erklärt: Du entscheidest letztlich, was Du mit Dir und Deinem Körper tust.
Ich teile hier lediglich meine Ansichten dazu, weil ich konkret gefragt worden bin und diesbezüglich auch meinen Lernweg hatte. Mein Lernweg hat mir deutlich gemacht, dass es vielmehr um innere und eigene Werte geht, als mit äußeren Bildern zu konkurrieren. Ja, ich liebe Klamotten und schminke mich auch gerne, aber ich mache das, weil und wie ich Lust dazu habe und nicht krampfhaft, wie es mir äußere Bilder vorgeben. Ja, auch ich bin geprägt von einer Kultur, die vorgibt, was schön ist und was nicht. Aber ich entdecke immer wieder Dinge, die ich Lust habe infrage zu stellen und entsprechend anders auszuprobieren. 

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Die richtigen Fragen stellen

Wenn wir Dinge infrage stellen, entsteht Raum für Neues und Eigenes und Ausprobieren. Dort entdeckst Du für Dich Sachen, hinter denen nur Du und nicht irgendeine kulturelle Prägung steht.  Wenn der Druck von Dir abfällt, dass es nur so und so gut und richtig ist, und Du die Lust wieder entdeckst, Dinge selber neu zu entdecken und infrage zu stellen, dann machst Du Dich auf den Weg in eine lebendigere und freiere Form. Jede Kultur gibt bestimmte Dinge vor, die sich nur schwer abschütteln lassen. Aber Du hast die Macht, alles, auch Schönheitsideale, Zeitschriften und das Internet infrage zu stellen. Wenn wir den Fokus so extrem auf das Außen gerichtet haben, auf Vorgaben von hübschen Frauen aus Internet und Zeitschriften, dann wird es Zeit, diesen Fokus in Frage zu stellen und ihn endlich auch einmal wieder auf uns selbst zu richten. 

Stelle Dir dafür liebevoll die folgenden Fragen:

Was macht DICH zu einer besonderen Frau? 

Was magst Du an Dir? 

Auch wenn Du im Widerstand mit Deinem Körper bist, gibt es immer Dinge, die Du an Dir magst und die es sich lohnt wieder zu entdecken. Falls Dir das anfangs noch sehr schwer fällt, kannst Du mit den folgenden Fragen arbeiten:

Was mögen andere an Dir? 

Was kannst Du besonders gut? 

Was für Menschen möchtest Du gerne um Dich haben? 

Wie möchtest Du Dich jeden Tag fühlen, unabhängig davon, ob Du einem Bild im Außen gerade entsprichst oder nicht? 

Das sind Fragen, die Du Dich immer wieder fragen solltest, wenn Du einem Schönheits- oder Schlankheitswahn unterliegst. Ein Wahn ist etwas, das psychologisch als „Fehl-Beurteilung der Realität“ bezeichnet wird. Um das Wort „Wahn“ noch deutlicher zu machen: Jemand, der einen Wahn hat, will seine wahnhafte Beurteilung nicht korrigieren und stellt auch nichts infrage. Er läuft einer fixen Idee, Vorstellung oder Fantasie eisern hinterher. Er ist wie getrieben und hat Scheuklappen vor den Augen.

Anders gefragt: Bricht Deine Welt zusammen, wenn Du das, wie Du nach außen gesehen wirst, nicht hast oder erreichst?

Ich selber liebe auch schöne Dinge, habe aber für mich herausgefunden, wir gut es tut, möglichst viel immer wieder zu hinterfragen. Zum Beispiel:

Bin ich nur dann eine schöne und gepflegte Frau, wenn ich im 12-Stunden-Takt rasierte Beine habe? 

Bin ich nicht mehr wertvoll, wenn ich nach dem Essengehen einen für jeden sichtbaren Fleck auf dem Pulli habe? 

An welchen Punkten entdecke ich Scham? 

Wann fühle ich mich ungenügend? 

Nutze all diese Fragen für Dich, stelle sie Dir immer wieder und finde heraus, was Dich antreibt, Deine Grenzen zu überschreiten, Dich vielleicht zu hassen oder zu verurteilen. Finde heraus, was Dich wirklich berührt, was Dich nährt und was Dich von innen heraus glücklich macht.

Es gibt noch so viel zu sagen zu diesem Thema, deswegen wird es in Bälde einen zweiten Teil dazu geben! Ich freue mich, wenn Du wieder dabei bist.

In diesem Sinne: Du bist ein wunderbarer Mensch, ein wertvolles und vollständiges Wesen, und es wird Zeit, dass Du wieder lernst, das von innen heraus für Dich zutiefst zu spüren und zu wissen – einfach so, weil Du es wert bist. 

Alles Liebe und Gute für Dich

Deine Lilian

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