Teil 2 – Ich bin halt so!

Hier folgt nun der zweite Teil zum Thema „Ich bin halt so“. Im ersten Teil ging es darum, zu verstehen, was dieser Satz bewirkt oder auslöst und darum, zu begreifen, welches Geschenk letztlich hinter diesem Satz steht: Wenn wir ihn nämlich als „Aufwecker“ betrachten, dann macht er sehr deutlich, dass Du so viel mehr bist, als Du denkst. Er ist ein Hinweis auf all die Möglichkeiten und Optionen, die sonst noch in Dir stecken. In dem Moment, in dem Du ihn benutzt oder hörst, sollte es in Dir klingeln: „Hey, hier ist keine Sackgasse, hier geht noch viel mehr!“
Wenn Du also den ersten Teil noch nicht gesehen oder gehört hast, dann empfehle ich Dir, hier zu stoppen und mit diesem zu beginnen, damit es für Dich wirklich verständlich ist.

„Das Problem ist ganz normal“

Ich möchte also zu dem, was wir bisher schon besprochen haben, einen weiteren sehr wichtigen Aspekt betrachten, den ganz viele von uns kennen: Wenn man ein Problem hat, und man findet heraus, dass andere das Problem auch haben, dann ist diese Erkenntnis sehr erleichternd und wohltuend. In Bezug auf unseren Satz „ich bin halt so, ich kann nicht anders“ bedeutet das, dass man sich sagt „Naja, andere können offensichtlich auch nicht anders, und da es vielen so geht, ist mein Problem ganz normal“.

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Wieso wir uns auf dem Satz ausruhen

Dass wir alle in unserer Kindheit den ein oder anderen Satz, oder ein inneres Muster mitbekommen haben, das uns heute blockiert, behindert oder einengt, das stelle ich nicht in Frage. Hier geht es auch nicht darum, dafür jetzt einen Schuldigen zu finden, sondern darum, deutlich zu machen, warum wir uns auf diesem Satz ausruhen. Das Erste ist, dass wir Menschen „Herdentiere“ sind – so nenne ich es immer ganz gerne. Das bedeutet, dass, wenn wir herausfinden, dass auch andere ein bestimmtes Muster haben, das sie nicht loswerden, uns das erleichtert. Wir denken dann: „Nicht nur ich kann nicht anders, andere können offensichtlich auch nicht anders, also kann es nicht so schlimm sein“. Wir fühlen uns mit unserem Problem nicht mehr so alleine und aus einem „ich kann nicht“ wird ein „man kann nicht“.

Wir alle stehen nicht gerne mit unserer Unfähigkeit alleine da, es fällt uns tausend mal leichter, sie zu akzeptieren, wenn wir andere finden, die dasselbe Problem haben. Beobachte das ruhig einmal: Die allermeisten von uns suchen Verbündete, wenn sie ein Problem haben. Wir halten es nicht oder nur schwer aus, alleine mit unserem Problem beziehungsweise Gefühl dazustehen. Da fühlt es sich schon besser an, jemanden zu haben, dem es genauso geht oder wenigstens ähnlich.

Dass das eigene Problem damit nicht weg ist, sondern es an der Oberfläche nur den Geschmack hat von „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, das wird dabei gerne übersehen. Ich gebe Dir einfach mal ein Beispiel, dann wird es etwas deutlicher: Ein Mann fährt seine Frau jedes Mal laut und böse an, wenn sie über ein bestimmtes Thema spricht. Er hat sich – ohne, dass sie etwas Angreifendes sagt – in diesem Moment ganz plötzlich nicht mehr im Griff und wird laut und aggressiv. Eigentlich schämt er sich für sein Verhalten und hat das Gefühl nicht anders zu können: „Es passiert jedes Mal einfach so“.

Um sich nicht weiter mit diesem Thema befassen zu müssen, sagt er als Ausrede „So bin ich halt – mein Vater war auch schon so, damit musst du klarkommen.“ Und als sein Nachbar ihm dann gesteht, dass es ihm genauso geht, ist der Mann ganz erleichtert und hat als Erklärung „Es scheint ja vielen so zu gehen, also ist es nicht so schlimm“.

Diagnosen, großartige Ausreden

Ich hole noch ein wenig mehr aus, um deutlich zu machen, wie wir oftmals funktionieren und uns durch dieses Funktionieren einschränken: Angenommen, jemand – nennen wir ihn Tim – hat große Probleme sich über längere Zeit zu konzentrieren. Er fühlt sich oft sehr unruhig und zappelig, fängt tausend Dinge auf einmal an, bringt kaum etwas zu Ende und sein Leben wird immer chaotischer und unorganisierter. Sein Zustand wirkt sich negativ auf seinen Job und auf seine zwischenmenschlichen Beziehungen aus und da er allmählich das Bild von sich entwickelt, dass er im Gegensatz zu anderen nichts auf die Reihe bekommt, fängt er an zu glauben, für vieles „zu blöd“ zu sein. Als dann jedoch jemand zu ihm sagt: „Vielleicht hast Du ja ADS – Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ erscheint ihm dies geradezu als Glück, denn endlich gibt es eine Erklärung, bzw. Ausrede, sich mit der Situation abzufinden und sich nicht länger um eine Verbesserung bemühen zu müssen.

Fakt ist, auch wenn es hart klingt, dass Krankheiten, bzw. besser gesagt Diagnosen generell großartige Ausreden sind, um passiv in der Opferrolle zu bleiben. Denn was kann man schon dafür, wenn man krank ist?

Warum erzähle ich das?

Weil ein Satz wie „ich bin halt so, ich kann nicht anders“ sehr zerstörend und distanzierend wirken kann. Es geht mir hierbei ganz und gar nicht um Schuldzuweisung, sondern um Reflektion, Erkenntnis und Verbundenheit mit sich selbst und mit anderen Menschen.
Daher überprüfe doch meine nachfolgenden Aussagen für Dich einfach als Anregung oder Idee: Der Satz „ich bin halt so, ich kann nicht anders“ schottet Dich ab. Er macht Dich zum Opfer. Er grenzt Dich ein. Er hält Dich auf Distanz. Er macht Dich klein.
Wenn Du sagst „ich bin halt so“, dann behaupte ich: Nein, Du bist nicht ausschließlich so, das, worum es geht, ist EINE Gewohnheit von Dir, und die kannst Du behalten oder auch nicht. Du kannst tausend Dinge sein, die Frage ist „Willst Du so bleiben, wie Du glaubst gerade zu sein, oder entscheidest Du Dich, auch all die anderen Aspekte von Dir kennen zu lernen und eine neue Wahl zu treffen, wer Du alles sein kannst?“
Wenn Du gerne mehr darüber erfahren möchtest, wie Du für Dich entdecken kannst, wer und was Du alles bist und wie man eingefahrene Glaubensmuster auflöst, dann besuche unsere Live-Seminare, wir freuen uns auf Dich!

Alles Liebe und Gute,

Deine Lilian

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2018-06-15T10:28:28+00:00

One Comment

  1. Moraya Februar 23, 2018 at 8:17 am - Reply

    Liebe Lilian,
    danke für dieses wundervolle Video.
    Ich höre von verschiedensten Leuten aus der spirituellen Szene, dass wir alle bereits Vollkommen seinen, also im Prinzip sogar erleuchtet. Und dass es gar nichts gäbe woran man arbeiten müsse, man müsse einfach nur sein wie man eben schon ist. Viele die eine Zeit lang an sich gearbeitet haben, haben auch keine Lust mehr darauf, weil es manchmal ein Fass ohne Boden zu sein scheint. Ich persönlich bin seit acht Jahren auf meinem Weg und sehe es in vielen Punkten so wie Ihr. Ich für mich nenne es Schattenarbeit, also das im unbewussten schlummernde und wirkende zu explorieren. Nicht immer schön und oft auch anstrengend, aber letztlich aus meiner Sicht total lohnenswert und erstrebenswert. Das an sich Arbeiten kann auch zu einer Obsession werden und ich denke es ist das Maß der Dinge, welches entscheidend ist, oder? Es gibt auch Menschen bei denen ist es gut, wenn sie sich einfach mal annehmen, so wie sie sind, weil sie ständig auf der Suche nach einem besseren Selbst sind und sich beinahe zu Grunde optimieren. Eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren?
    Liebe Grüße
    Moraya

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